Ich engagiere mich für mehr Wissen rund um Landwirtschaft, Ernährung, Tiere, Umwelt und Politik. Denn in der Schweiz ist manche Vorstellung verbreitet, die eine (Agrar)Politik im Interesse der Mehrheit behindert. Weiter interessiert mich, wie die Ernährung umwelt- und tierschonender werden kann und zwar in einer liberalen Gesellschaft, wo die Menschen selber entscheiden, was sie essen. Ziel meines Referates: Denkfutter streuen.
Auszüge aus dem Referat:
Sojabohnen: Es vergeht kaum eine Woche, dass ich nicht etwas lese, höre oder sehe, was meinen Widerspruch reizt. Kürzlich war es eine Medienmitteilung des Soja Netzwerkes Schweiz, die von der SRF Radiosendung Rendez-vous aufgenommen wurde: Die Schweiz beziehe Futtersoja fast ausschliesslich aus europäischem Anbau, insbesondere aus Italien. Meine Kurzrecherche hat bestätigt, dass Italien viel mehr Futtersoja braucht als anbaut. Die Rechnung geht nicht auf: Was Italien in die Schweiz exportiert, wird einfach mehr aus Übersee importiert. Das gilt für ganz Europa: der Futtersojabedarf ist viel grösser als der Anbau. Auch ist nicht transparent, ob Futtersoja aus Italien tatsächlich in Italien angebaut oder nur verarbeitet wurde. Denn als Ursprungsland gilt das Land, wo die letzte wesentliche Verarbeitung durchgeführt wurde. Italien verarbeitet als Nettoimporteur rund dreimal so viele Sojabohnen als es anbaut.
Meat Lovers: 10 Jahre sind es her, seit ich zusammen mit ForschungspartnerInnen beim Schweizerischen Nationalfonds das Forschungsgesuch Creating Resource-light Eating CREATING: Background, Strategies, and Implications for Food Economy and Agricultural Policy (2015) eingereicht habe. Daraus entstand das Forschungsprojekt NOVANIMAL Innovations for a future-oriented animal production and consumption, das mich heute noch beschäftigt: «Wie kann unsere Esskultur ressourcenleicht und tierschonend werden?» Das grösste Teilprojekt, ein dreimonatiges Experiment in zwei Hochschulmensen, offenbarte überraschend deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern, bei Einstellungen, Essgewohnheiten und konkreter Menüwahl. Als «Meat Lover» wurden Mensagäste bezeichnet, die in 75 Prozent und mehr Fällen ein Fleischgericht wählten. So hatten 32 Prozent der männlichen Mensagäste «Meat Lover»-Mittagsverpflegungsgewohnheiten im Vergleich zu 7 Prozent der weiblichen Mensagäste.
Im Mittelpunkt der Forschung stand die Ausser-Haus-Verpflegung. Das wichtigste Ergebnis: Es kommt auf das Angebot an:
- Wenn das Vegi-Angebot kulinarisch mithält und klug vermarktet wird, dann wird es von Gästen häufiger gewählt.
- Das Vegi-Angebot wird besser, wenn die Fachleute motiviert und kompetent sind, (ovo-lakto-)vegetarische und vegane Gerichte zu kochen und zu empfehlen.
- Gastroverantwortliche, KöchInnen und Restaurationsfachleute sind motiviert und kompetent, wenn sie
- korrektes Hintergrundwissen haben, warum eine vermehrt pflanzenbasierte Ernährung sinnvoll ist
- Kenntnisse & Fertigkeiten haben, attraktive Vegi-Gerichte zu kochen und zu empfehlen
Zusammen mit der Praxis wurden über 50 Ideen erarbeitet, wie das Angebot besser werden kann.
Drei Tipps für motivierte KonsumentInnen:
- Auswärts Vegi wählen. Begründung: Auch Menschen, die zuhause kaum Fleisch essen, wählen auswärts Fleisch/Fisch; weil das Vegi-Angebot in der Gastronomie nicht mithalten kann, weder kulinarisch, noch von der angebotenen Auswahl. So wird die Gastronomie immer wieder darin bestätigt, dass es keine Nachfrage gibt. Ein Teufelskreis.
- No chicken: Wenn Fleisch, dann nicht Poulet. Begründung: Pouletkonsum und -produktion wachsen stetig, ganz besonders auch in der Schweiz. Poulet ist der grösste Treiber des globalen Futtersojaanbaus. Bei Geflügel ist die industrielle Tierproduktion am meisten fortgeschritten. Die Tiere sind Produktionsapparate, sie werden nicht als Lebewesen wahrgenommen. Zudem ist die Pouletproduktion vollständig importabhängig.
- Zuhause: kreativ kochen mit dem, was es hat, anstatt nach Lust und Laune oder Rezept einkaufen. Begründung: Das reduziert Food Waste. Das Besondere: Food Waste verhindern finden alle gut, von links bis rechts, vom Anfang bis zum Ende der Nahrungsmittel-Lieferketten; sei es aus moralischen oder finanziellen Gründen. Doch an der Umsetzung hapert es. Ein kleiner Beitrag zu weniger Food Waste wäre, mit dem zu kochen (lernen), was man zuhause hat, kreativ und genussvoll. Das kann schon beim Kochunterricht in der Schule anfangen.
Anhang: Fakten und Anregungen zu
- Wie viel Fleisch isst die Schweizer Bevölkerung?
- Wie viele Tiere gibt es in der Schweizer Landwirtschaft?
- Chicken: ressourceneffizient + klimafreundlich?
- Eine kohärente Ernährungssicherheitspolitik weist den Weg